Über die Mechanik einer Spielwarenmesse
 
Auf die Griechen geht, laut Duden, »die Kunst« zurück, »Maschinen gemäß der Wirkung von Naturkräften zu erfinden und zusammenzubauen«. Nürnberg ist nun nicht das antike Griechenland, und doch lässt die größte Spielwarenmesse der Welt gewisse »mechanische« Parallelen erkennen. Nach dem eindrucksvollen Messeherbst 2009 (mit den vier für mich kurz aufeinanderfolgenden Messen in Frankfurt, Essen, Haar und Stuttgart) stand nämlich zu Beginn dieses (Spiel-)Jahres die Internationale Spielwarenmesse in Nürnberg auf dem Programm, in dessen »Räderwerk« ich mich am 6. und 7. Februar (unauffällig) mitbewegte.
 
Mittwoch, 17. Februar 2010
Ausgestattet mit einem Presseausweis (der mir dankenswerterweise von der Spiele-Autoren-Zunft zur Verfügung gestellt wurde), war ich auf der Messe in Nürnberg ohne Zeitdruck oder terminliche Verpflichtungen unterwegs. Und erlebte so ziemlich genau das Gegenteil der Internationalen Spieltage von Essen: kein Gedränge, vergleichsweise leere Gänge und oftmals großzügig angelegte Messestände, auf denen zwar nicht sonderlich viel gespielt, dafür aber umso mehr über die »Mechanik des Spielemarktes« gesprochen wurde.
Es war mir ja schon vorher bekannt: Kindern bleibt der Zutritt hier verwehrt; die geschäftliche Seite (des Spiels) ist wohl zu ernst und zu wichtig. Nirgendwo sonst wirken Spiele folglich erwachsener wie hier, nirgendwo sonst wünscht man sich so sehr Kinderstimmen und vor allem Kinderlachen.
 
Ist schon irgendwie seltsam (aber nicht wirklich überraschend), wenn man mal einen Blick hinter die Kulissen des Spielemarktes wagt, dass im Zusammenhang mit dem kindlichen Erfinden und dem eher erwachsenen Entwickeln von Spielen so viel und so oft von Mechanik bzw. davon abgeleitet Mechanismen die Rede ist.
 
»Das Spiel hat aber einen originellen Mechanismus!«
 
Der Begriff Mechanismus wird hier gleichbedeutend mit Erfindung von Spielabläufen oder Spielmustern gebraucht. Historisch betrachtet geht der Begriff durchaus auf das Erfinden von »gewinnbringenden« (Kriegs-)Maschinen zurück und das Durchspielen von Angriff und Verteidigung (auf den Schlachtplänen der Feldherren und analog dazu der Marktstrategen).
»Die Bewegung von Körpern« mit (technischen) Hilfsmitteln, findet sich in fast jedem Spiel auf die eine oder andere Weise wieder (wie schon beim jahrtausendealten Go-Spiel). Und so verwundert es nicht allzusehr, dass neben den Spieleverkäufern auch Spieleautoren unentwegt von Spielmechanismen sprechen.
Das Computerspiel (als die nächste Evolutionsstufe des Brettspiels) fügt der Mechanik noch künstliche Intelligenz (KI) hinzu. Von den unbestreitbaren Erfolgen der Computerspielindustrie offenbar aufgeschreckt, reagiert die Brettspielindustrie ihrerseits mit immer mehr Spielen in immer kürzerer Zeit und noch »neuartigeren« Spielmechanismen …
Und ein weiterer Trend ist zu beobachten: die Brettspiele werden zunehmend komplexer, d. h. feingliedriger/vielschichtiger und dabei immer technischer/komplizierter. Das Räderwerk wird förmlich auf dem Spielplan sichtbar. Der »Plan« gleicht einer Ausstellung spieltechnischer bzw. spielmechanischer Errungenschaften: mit einer Fülle an Spielfiguren, die durch raffiniert verschachtelte Aktions- und Einsatzmöglichkeiten zueinander in Wechselwirkung stehen.
 
Das Spiel gilt allgemein als ein erhaltenswertes Kulturgut. Brettspiele als Spielform stellen etwas Greifbares dar und das Spielen läuft dabei – idealerweise – ganz zwanglos ab. Spielen geschieht hier für- und miteinander. Anstatt die künstliche Intelligenz (KI) zum Vorbild zu nehmen, könnte für die Weiterentwicklung und den Erhalt des »klassischen Brettspiels« das Besinnen auf etwas Anderes hilfreich sein: die natürliche Intelligenz (NI). Die NI bei Brettspielen wäre demnach die Verschmelzung aller Mechanismen zur ursprünglichen Spielfreude. Denn Spielen macht einfach Spaß – am meisten mit Kindern. Es verbindet Kinder und Erwachsene, die sich dadurch wieder jung fühlen (dürfen). Im Spiel und danach – vielleicht auf der nächsten Spielwarenmesse?! ;-)
 
Zum Schluss möchte ich noch eine Brücke schlagen: vom (noch unfertigen) Spiel hin zu der real erlebbaren Geschichte des Landes. Zum Beispiel mit den Limes-Cicerones, die einem den römischen Grenzwall erlebnisreich näherbringen können (www.limes-cicerones.de), ebenso die Museen und archäologischen Parks entlang der Deutschen Limesstraße (www.limesstrasse.de).
 
Die Spurensuche geht weiter …