Was das Spiel(en) und die Homöopathie gemeinsam haben …
Glaubt man der Meinung von ausgewiesenen Fachleuten aus dem Bereich der Schulmedizin, dann sollte die Homöopathie (und ihre Wirkungsweisen) längst Teil der Geschichte sein. Anachronistisch, unwirksam und geradeso für Träumer geeignet. Eigentlich ohne eigenen Gehalt und darum (in den Augen des Schulmediziners) wertlos. Glaubt man der Meinung von ausgewiesenen Fachleuten aus dem Bereich der Rechtsprechung, dann sind Spiele (und ihre Regeln) nicht mehr als „Anweisungen an den menschlichen Geist“. Altbekannt, uninspiriert und geradeso für Kinder geeignet. Eigentlich ohne eigenen Gehalt und darum (in den Augen des Richters) wertlos.
Was hat das jetzt alles mit Auf Spurensuche am Limes zu tun?
Bei der Entwicklung von einem Spiel wie diesem (und jedes anderen) versucht der Autor ein „Rezept“ zu (er)finden für ein neues Spiel. Das am Ende der Entwicklung und von Beginn des Spielens an Spaß machen und Freude bringen soll. Die Regel ist dabei wie der Beipackzettel zu einer Medizin, die aus einem kranken wieder einen gesunden Menschen machen soll. Im Fall des Spiels ist die „Krankheit“ vielleicht Langeweile, die durch das Spielen „vertrieben“ werden kann (und einem spannenden, lustigen, unterhaltsamen Zeitvertreib weicht). Was macht aber eine solche Entwicklung aus, was geschieht da? Lässt sich das in irgendeiner Form messen oder beschreiben, warum ein Spiel Spaß macht, warum es das bewirkt? Die Homöopathie, um nochmals darauf zurückzukommen, enthält (je nach Potenz) kaum bis keine messbaren Wirkstoffe mehr und ist daher auch sehr umstritten. Befürworter glauben trotzdem an die Wirkung; Gegner sprechen homöopathischen Mitteln jegliche Wirkung ab. An dieser Stelle kann und will ich nicht entscheiden, ob die Homöopathie nun wirkt oder nicht. Stattdessen leite ich weiter zur Entwicklung eines Spiels und der Frage: Wenn es wirkt, warum tut es das?
Am Beginn der Entwicklung sind die Zutaten für das zukünftige Spiel, für sich betrachtet, völlig beliebig und wirkungslos. Holzfiguren, Spielkarten, Würfel, Plättchen, ein Spielplan usw. Ohne die Regeln weiß man nicht so recht, wie das alles zusammenhängt und zusammenwirken soll?! Die schlichten „Anweisungen an den menschlichen Geist“, wie ein Gericht vor einiger Zeit den schöpferischen Gehalt von „Spielregeln“ beurteilt hat, sind natürlich unverzichtbar. Wie ein Spiel funktioniert, das steht nun mal in den Regeln. Allerdings: eben nur das Wie. Aber warum das Spiel Spaß macht und Spannung erzeugt – indem es aus Holzfiguren Expeditionsleiter und aus einfachen Plättchen Ereignisse, den Wohnzimmertisch zum Ausgrabungsgelände und aus Holzteilen Fundstellen macht, die umgedreht Schätze offenbaren (die wiederum nur aus Pappe sind und trotzdem „glänzen“) –, diese Faszination und das alles steht nicht in den Regeln. Da sind nur Worte und Anweisungen. Und hier entstehen daraus im Verlauf des Spiels (wie aus dem Nichts) plötzlich Handlungen und Emotionen.
… das haben das Spiel(en) und die Homöopathie gemeinsam: Sie regen an.
Um die Wirkungsweisen der beiden vielleicht besser zu verstehen, möchte ich an dieser Stelle noch ein anderes Beispiel für Wirkung beschreiben: Streift man seinem Kind mit der Hand sanft über den Arm, löst das einen wohligen Schauer bei ihm aus und lässt es über beide Backen strahlen. Welchen Namen hat dieser Wirkstoff nun, lässt er sich quantifizieren oder (aus dem Vorgang) herauslösen und dann messen? Wo kann man ihn finden?